Fische zum Ersten, zum Zweiten…

HamburgErfahren_Fischauktionshalle

Früher wurden hier Elbfische verkauft. Heute ist die 1895–1896 erbaute Fischauktionshalle eher ein Veranstaltungsort. Ihr gegenüber liegt der Fischmarkt, der Frühaufsteher und Langaufbleiber anzieht. Auch wenn der Fisch nicht mehr aus dem Kutter verkauft wird, ist die Atmosphäre hanseatisch-urig.

Seit dem 16. Jahrhundert wurden im eigenständigen Altona an der Grenze zum Hamburger Stadtteil St. Pauli gegen den Willen der reichen Hansestadt Fischmärkte abgehalten. Mitte des 19. Jahrhunderts verlegten die Hamburger daher ihren Fischmarkt aus der Altstadt in die Vorstadt St. Pauli, um Altona Konkurrenz zu machen.

Parc de Grande

Der Stadtpark in Winterhude ist mit knapp 150 Hektar die größte Grünfläche in der Hansestadt. Zu seinem 100. Geburtstag 2014 soll er saniert und herausgeputzt werden.

HamburgErfahren_Grosse Wiese Stadtpark

Hamburgs größter grüner Fleck, die Stadtparkwiese ist beliebter Treff- und Erholungsort für gestresste Städter

Ursprünglich war der Stadtpark das private Jagdrevier eines angesehenen Hamburger Geschäftsmannes, ehe die grüne Oase nach dem Verkauf an die Stadt im Jahre 1902 zum Volkspark umfunktioniert wurde.

Im Juni 1909 wurde Professor Fritz Schumacher zum Leiter des Hochbauamtes berufen und im Januar 1910 der Bürgerschaft ein von Fritz Schumacher und Fritz Sperber gemeinsam entwickelter Entwurf vorgelegt. Vier Jahre später konnte der Park eröffnet werden, bis zur Fertigstellung vergingen aber noch weitere vierzehn Jahre. Die Durchführung der Garten- und Landschaftsarbeiten lag dabei ab 1918 maßgeblich in der Hand von Hamburgs erstem Gartenbaudirektor Otto Linne.

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Indian Summer im Stadtpark

 

Vierländerin am Hopfenmarkt

1876 wurde der Brunnen mit der Statue einer Vierländer Marktfrau am Meßberg errichtet. Der Bildhauer Engelbert Pfeiffer hatte die Statue einer typischen Marktbeschickerin zauberhaft gestaltet und einen Brunnen entworfen, bei dem Enten als Wasserspeier dienten. Nun hat der Brunnen seinen derzeitigen Standort am Hopfenmarkt neben dem Mahmal der Nikolaikirche.

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1953 wurde der Brunnen zuletzt restauriert und 1978 an den Hopfenmarkt versetzt. Eigentlich ganz passend, denn auf dem Hopfenmarkt findet  tatsächlich noch ein Markt statt und da passt die Inschrift am Brunnen: „Auf dem Markt lernt man die Leute kennen.“

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alles Ente am Vierländerbrunnen

Nach dem Erschaffer ist seit 1914 der Peiffersweg in Barmbek-Nord benannt.

Hinter Schloss und Riegel

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Die Ellerntorsbrücke hinter Schloss und Riegel

Man nennt sie Liebesschlösser und sie hängen mittlerweile an vielen prominenten Brücken.

Ursprünglich kommt der Brauch wohl aus Italien. Die genaue Herkunft ist ungeklärt. Es wird vermutet, dass Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz die Urheber dieses Brauchs sind. Mit dem Ende ihrer Ausbildungszeit befestigten die Absolventen die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an einem Gitter des Ponte Vecchio. Dies wurde wohl von den Verliebten Roms an der Milvischen Brücke als Brauch übernommen. Mittlerweile hat dieses Zeremoniell seit geraumer Zeit auch die Hansestadt erreicht.

Passage zum Hof

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Schierspassage, Foto: Dirk Rexer

Bis etwa 1840 wurden auch die Hinterhöfe gänzlich bebaut. Diese Aktivität ist insbesondere auf das starke Bevölkerungswachstum Hamburgs im 19. Jahrhundert zurückzuführen, als der Bedarf an Wohnraum in der Stadt enorm anstieg. Als 1860 die Torsperre aufgehoben wurde, war das Interesse innerhalb der Stadtbefestigung zu wohnen groß geworden. Um die knappen Flächen möglichst effektiv auszunutzen, entstanden die für Hamburg typischen Gängeviertel, in denen Fachwerkhäuser dicht errichtet wurden. Die Straßen und Gänge waren sehr schmal und teils stark verwinkelt und es gab nahezu keine Freiflächen. Die Gängeviertel der Neustadt wurden von ärmeren Hamburger Arbeiterfamilien bewohnt. Neben der Wohnnutzung war traditionell auch kleinteiliges Gewerbe in den Gängevierteln ansässig.

hafenmorgen hamburg by abendfarben

Die vier Hamburger Bojenmänner – Kunst auf dem Wasser

Seit 1993 schwimmen an vier verschiedenen Orten in der Hansestadt Bojen, auf denen Skulpturen aus Holz stehen – die Bojenmänner. Sie sind das Werk des Künstlers Stephan Balkenhol (geb. 1957). Die 4 männlichen, farbigen Figuren aus Eichenholz sind täuschend echt angefertigt. Sie befinden sich auf der Außenalster (östliche Uferpromenade, Höhe Schwanenwyk), der Elbe (Elbstrand / Höhe Schulberg), der Süderelbe, östlich der Brücke des 17. Juni in Harburg sowie auf einem kleinen Flüsschen (Höhe Alte Holstenstraße) in Bergedorf.

Unser Mann in Hamburg-Süd

Nehmen Sie Kontakt zu unserem Mann in Hamburg-Süd auf! Der Redaktionsleiter schob bei dem leise gesagten Satz den Hut tief in die Stirn. Es lag etwas Beschwörendes in seiner Stimme, hier ging es um Wichtiges. Wie den Mann finden, was kann er mir sagen kann – alles mein Problem. Auf die Redaktion war kein Verlass. Da mussten alte Kontakte bemüht werden. Bei der Stackmeisterei Finkenwerder, einem Hafenbetrieb, hatte ich noch ein Eisen im Feuer. Einige Telefonate und Mails später wehte mir der Wind an der Pier am Köhlfleet um die Nase. In einer Halle traf ich meinen Kontakt. Wir waren allein und keiner sprach ein Wort. Er war einer dieser wettergegerbten, rauhen, wortkargen Typen, die man im Norden oft findet.

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Bojenmänner von Balkenhol – Winterlager Finkenwerder Stackmeisterei

Es ist ihr Naturell und nicht bös gemeint. Seinen Kompagnon hatte er mitgebracht. Der stand genau so still und mit einem Blick gen nirgendwo neben ihm. Wir schwiegen uns an. Beide waren ziemlich heruntergekommen, ihre Kleidung bedurfte eines Tausches. Ihre Haut war spröde. Der Blick und die Haltung sprachen Bände. Was sie wohl schon alles erlebt hatten? Wetter – besser Unwetter, drückende Hitze, die ersten Fröste auf dem Wasser und ungezählte Boote, Schiffe, Kutter und Barkassen. Alle zogen an ihnen vorüber, ohne anzuhalten. Die Passagiere schauten meist erst ungläubig, später staunend zu ihnen. Ganz am Anfang, als sie neu waren, gab es sogar Notrufe bei der Polizei wegen ihnen. Kein Wunder, sie machen ganz schön was her und das noch an so ungewöhnlichen Orten. Große Worte waren mit den beiden nicht zu wechseln. Nach einigen Versuchen gelangen dann ein paar passable Fotoaufnahmen – für´s Archiv. Viel zu holen war hier nicht. Was nur der Redaktionsleiter dazu sagen würde…

hafenmorgen hamburg by abendfarben

Morgen im Hafen Hamburg

Wasserung der Bojenmänner

Wochen später kam aus Finkenwerder Nachricht. Es ist soweit, die Männer sollen weggebracht werden. Der eine nach Neumühlen, der andere an die Süderelbe-Brücken kurz vor Harburg. Nun musste ich mich sputen. In der Redaktion war das Thema längst in Vergessenheit geraten. Jetzt hieß es, wieder wettzumachen, was vorher misslang. Auf zum Köhlfleet, der Morgendunst will nicht weichen und die Sonne kämpft mühsam um Aufmerksamkeit. Die Kollegen vom Hamburg Journal sind auch schon da und schleppen sich mit ihrer Fernsehtechnik ab. Bei dem Gewimmel entlock ich den Typen kein Wort, so „gesprächig“, wie sie sich bisher angestellt haben.

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Bojenmann von Balkenhol am Haken

Die Barkasse RICHARD KRANZ bringt uns stromauf nach Neumühlen. Ein Ponton mit Kran und dem Spezi meines Mannes aus Hamburg-Süd ist an der Barkasse vertäut. Wir fahren in das Morgenlicht, die Elbe spiegelt silberhell. Hinter uns holt ein Riesenpott mit einem Containerberg auf. Wir wechseln auf die Neumühlener Seite der Elbe und tasten uns langsam an den Zielort. Eine weitere Barkasse bringt einen Amtsträger, der höchstselbst und per GPS den genauen Standort festlegt.

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Bojenmann von Balkenhol vor Neumühlen Elbe Hamburg

Ein großer Steinblock rauscht ins kalte Elbwasser, an seiner Kette hängt nun eine Boje. Die, so groß wie ein Kleinwagen, trägt den Neumühlen-Mann. Der steht immer noch so ruhig und bestimmt mit Blick gen nirgendwo. Allerdings hat er sich wohl zwischenzeitlich neue Klamotten besorgt. Jedenfalls ist sein Hemd strahlend weiß und die Hose schön schwarz. Seiner Haut gönnte er ein Make Up.

Der Süderelbe-Mann

Ohne lange zu warten, kehren wir um. Eine Barkasse nimmt den GPS-Amt-Mann wieder an Bord und entschwindet. In Finkenwerder kurze Pause. Die nutze ich, zu unserem Mann aus Hamburg-Süd etwas Vertrauen aufzubauen. Treib mich in seiner Nähe rum, mach ein freundliches Gesicht und schöne Morgensonnenfotos – doch nichts passiert. Wenn das so weitergeht, ist mir der Redaktionsrüffel sicher.

Dasselbe Spiel von vorn. Barkasse, Ponton, Mann, Boje und elbaufwärts. Die Fahrt dauert etwas länger. Ich richte mich häuslich in der RICHARD KRANZ ein. Der brummelige 170 PS-Motor bestimmt die Geräuschkulisse. Zwei junge Burschen sind souverän am Werk. Einer steuert gelassen den Verband, blickt aufmerksam nach vorn und achtern. Der Tiefenmesser zeigt 18 Meter. Sein Kollege macht Inventur. Aus den Lautsprechern tönt es „In deiner Urkraft liegt es, durch den Sturm zu geh´n“. Da kommt uns eine Riesenjacht entgegen. Himmel, was für ein Geschoss. Doch Obacht, wir nähern uns dem DOCKLAND. Hier biegen wir ab Richtung Köhlbrandbrücke. Ohne Anmeldung per Funk geht das nicht. Die Brücke kommt näher, wirkt durch die grauen und niedrigen Wolken sehr bedrohlich. Vorbei am Container-Terminal Altenwerder, unter der Kattwykbrücke durch und am Kraftwerk Moorwerder längs geht es stromaufwärts.

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Dicker Pott auf der Hamburger Elbe

Kurz vor den Süderelbebrücken steigt der GPS-Amt-Mann wieder zu und dirigiert den Verband vorsichtig zur gewünschten Stelle. Dabei erzählt er lachend über das erste Mal, als die Männer verbracht wurden. Mit Senatsbarkasse und Kapelle, oh man, was für ein Spektakel!

 Ansichten von Wasser und von Land

Die Vorbereitungen dauern. Ein letzter Versuch, noch mehr Informationen zu bekommen, lässt mein Mann gelassen abblitzen. Er steht, die Hände verschränkt, auf seiner Boje und blickt gelassen zum Horizont. Dann geht alles schnell. Der Kran versenkt den Steinklotz, die Kette wird an der Boje befestigt, ein kurzer Ruck geht durch den Ponton. Der Mann dreht sich auf seinem Reich weg von uns, ist scheinbar froh, seinen ständigen Begleitern nicht mehr ausgeliefert zu sein. Wir legen ab. Die S-Bahn Richtung Hamburg donnert über die Brücke, zum Greifen nah.

hamburger bojenmänner stephan balkenhol süderelbe by abendfarben

Bojenmann von Balkenhol Süderelbe Hamburg

Langsam, ganz langsam, dreht sich mein Mann aus Hamburg Süd in unsere Richtung und ich meine, er hat gelächelt. Unsere Rückfahrt stromab gelingt schnell, doch wird es auf der Elbe noch mal kabbelig. So ist es recht. Die Gischt platscht über den Bug, wir schaukeln wild und eines Seemannes Herz geht auf. Was ich der Redaktion erzählen soll, weiß ich noch nicht. Wenn Sie aber mal Interesse haben, meinen Mann aus Hamburg-Süd zu treffen, machen Sie Folgendes: Fahren Sie mit der S-Bahn von Harburg Richtung Hamburg. Gleich nach der Abfahrt erreichen Sie die Süderelbe, schauen Sie auf der rechten Seite aus dem Fenster. Dort sehen sie ihn. Sie können auch im Sommer den Badestrand am Finkenrieker Hauptdeich aufsuchen. Dann erblicken Sie den Typen aus nächster Nähe.

Info:

Der Künstler, der auch in Hamburg Kunst studierte, fertigte weitere Figuren. So steht vor dem Tierpark Hagenbeck eine Giraffe, an deren Hals ein Mann emporklettert. Zwei Skulpturen mit überlangen Beinen stehen vor dem Eingang der Zentralbücherei, Nähe Hauptbahnhof. Die Geschichte zum Alster-Bojenmann finden Sie hier.

Der Beitrag wurde freundlichst von der Agentur Abendfarben Hamburg zur Verfügung gestellt.

Hermann Claudius und die Hamburger U-Bahn

In der U-Bahn-Station Jungfernstieg in der Nähe des Hamburger Rathauses erblickt der wache Betrachter gar seltsame Tafeln. Auf einer steht geschrieben:

Die Jahrhundert die sind sieben

Jungfern sind dieselben geblieben.

Und ich alter Eichenpfahl

steh hier an dem selben Mal.“

Die Botschaft hör ich wohl, doch fern ist mir der Sinn. Doch halt, da steht tatsächlich ein Pfahl, beleuchtet und voller Skulpturen. Es ist ein alter Rammpfahl, der bei den Bauarbeiten der Hamburger U-Bahn in den 1930er Jahren freigelegt wurde. Er gehörte zu dem um 1250 erbauten Stauwehr des Alstermühlendammes – eines Vorläufers des heutigen Jungfernstiegs. Geschichte zum Anfassen – toll. Eines Bauarbeiters wird an dieser Stelle auch gedacht. Otto Liss verunglückte im November 1932 bei den schwierigen Bauarbeiten und starb kurz darauf. Besuchen Sie Hamburger Geschichte an einem ungewöhnlichen Ort – fahren Sie U-Bahn.