Die Poesie des Abrisses

wie sich Hamburg entkernt und neu erfindet

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Stadthöfe Hamburg mit Stützkorsett@HamburgErfahren

Hamburg hat viele Superlative zu bieten, ob als Wirtschaftsmetropole, Touristenmagnet, Shoppingparadies oder Kulturstadt. Die Hansestadt besitzt nach Manhattan die größte Binneninsel weltweit, hat nach N.Y.C. die meisten Brücken, sie hat den größten Parkfriedhof in Ohlsdorf, gilt als literarische Erbin des Currywurstkultes, ist Lieblingshafen eines königlichen Kreuzfahrtschiffes, besitzt mit der HafenCity die größe Baustelle Europas und nennt seit kurzem mit der Speicherstadt ein Weltkulturerbe ihr Eigen. Aber wie sieht es mit dem Architekturerbe Hamburgs aus?

Einige böse Zungen sehen das sehr kritisch und sprechen von der „Freien und Abrisstadt Hamburg”, wie es einst der Direktor der Kunsthalle, Alfred Lichtwark, umschrieb.

Doch werfen wir mal einen Blick hinter die Fassaden: auch hier wird fleißig gewerkelt und es entsteht Gewaltiges, besonders im Zentrum.

Eines der ehrgeizigsten Entkernungs-Projekte sind die Stadthöfe. Auf dem ehemaligen Terrain der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt entsteht ein neues Quartier mit Einzelhandel, Büros, Luxuswohnungen, Gastronomie und einem Hotel.

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Stadthausbrücke/Neuer Wall. Ein Blick zurück in die Zukunft@Parallelräume

Passen Entkernung und Denkmalschutz unter einen Hut?

Etwa ein Zehntel der bedeutenden historischen Hamburger Bauten ist denkmalgeschützt. Für den Rest wird es zunehmend bedrohlich. Besonders in der City diktieren Argumente der Wirtschaftlichkeit das bauliche Geschehen. Die neue Bauordnung erleichtert der Abrissbirne das Leben.

 

Bleibt die Kernfrage, warum wird entkernt?

Es geht um Wirtschaftlichkeit, Energetik und Profit. Die Sanierung alter Substanz ist in den meisten Fällen kostenaufwändig und Investorenbedingt. Auch nicht gewünscht, nachdem besonders der Innenstadtbereich zu einer Immobiliengoldgrube geworden ist.

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Der Alte Wall wird zum Einkaufsboulevard. Entkernung des ehemaligen Vereins u. Westbank Gebäudes

Warum gibt es Denkmäler, die für Einige eine architektonische Beleidigung darstellen?

Das ist natürlich Ansichtssache und laut Denkmalschutzamt soll ein denkmalgeschützes Gebäude jeweils für seine Epoche stehen. Bestes Beispiel dafür ist das ehemalige Unileverhaus an der Caffamacherreihe in der Neustadt. Ein Bürokomplex, der in den 60er Jahren entstand und gleichzeitig ein ganzes Wohnquartier verschwinden ließ. Der Gewerbemonolith aus Glas und Beton wird zum Zeitzeugen des Baubooms des nachkrieglichen Hamburg.

 

Wird sich die Stadt in Zukunft neu erfinden und die hanseatische Seele verkaufen?

Kontrovers gesehen wird vieles „anders“ bleiben. Hamburg wird viele ältere Strukturen auch zukünftig verlieren, aber ein Beispiel aus der Gegenwart ist einen kleiner Hoffnungsschimmer. In Eimsbüttel entstand 2014 ein Passivhaus-Neubau im Gründerzeitstil. Energieeffizient, umweltfreundlich und wirtschaftlich. Somit könnte auch zukünftig die Hamburger Architekturseele erhalten bleiben.

 

Quo Vadis Hamburg?

Hamburg wird auch in Zukunft eine Stadt der Superlative sein. Ehrgeizige Bauprojekte werden zwar einiges an alter Substanz verdrängen, aber dafür entsteht etwas Neues. Metropolen dürfen das und Hamburg nennt sich ja nicht von ungefähr das „Tor zur Welt“.

HamburgErfahren@Drehbahn

Architekturkontraste

Dieser Artikel ist ein Beitrag zum Thema „Immobilien“ im Rahmen der Blogparade, initiiert von den Hamburg Bloggern und der Firma Hausmann.

 

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